EINE DOKUMENTATION
Ansicht der Bahnstation Boppard von der Straßenseite aus gesehen
© Copyright 2000 - 2021 Burkhard Thiel Alle Rechte vorbehalten

Bau und Streckeneröffnung

Im September 1857 begannen die Vermessungsarbeiten im südlichen Streckenteil unter der Leitung des Oberbauraths Emil Hartwich. Während die Rheinische Eisenbahn- Gesellschaft (RhE) das Bahnhofsplanum im Osten der Stadt anlegte, entschied die Stadt, den Bahnhof gegen Kostenerstattung zum Turm „Säuerling“ zu verlegen. Am 15. Dezember 1859 eröffnete die RhE die Teilstrecke der linksrheinischen Bahnstrecke zwischen Koblenz und Bingerbrück (heute Bingen).

Das Empfangsgebäude Boppard

Gleichzeitig mit der Streckeneröffnung wurde auch der Bahnhof mit einer offiziellen Einweihung in Betrieb genommen. Das Stationsgebäude im Stil des Historismus nach Plänen des Architekten Michaelis war ein traufenständiger, zweistöckiger Putzbau mit weit ausladendem Satteldach aus Schiefer. An der Ostseite entstand ein einstöckiger Anbau mit Flachdach. Die Rechteckfenster verfügten über Rahmen aus hellem Sandstein. Auf der Ortsseite führte eine Freitreppe durch drei zusammengefasste Rundbogentüren in das Gebäude. Im Erdgeschoss gab es Wartesäle und Schalter für den Fahrkartenverkauf, Express- und Gepäckabfertigung sowie weitere Dienstzimmer. Im Obergeschoss lag die Wohnung des Stationsvorstehers. Der Hausbahnsteig besaß eine Überdachung. Ein schmaler Mittelbahnsteig konnte ebenerdig erreicht werden. Außerdem gab es ein Umfahr- und Rangiergleis. Gegenüber dem Stationsgebäude war die Ortsgüteranlage mit Güterschuppen und Freiladegleis errichtet worden. Der Bahnhof gehörte 1938 zur Rangklasse I.

Weitere Streckeneröffnungen, Ausbauten oder Änderungen

Bis Ende 1868 erfolgte der zweigleisige Ausbau der „linken Rheinstrecke“. 1903 begannen die Bauarbeiten für die Hunsrückbahn, die von Boppard nach Simmern führte. Die Bahnhofsanlagen wurden dafür entsprechend ausgebaut. Die Eröffnung der 23,84 Kilometer langen Bahnstrecke bis Pfalzfeld war am 3. August 1908. Die Strecke wurde bis 1931 als Zahnradbahn betrieben. Mit Eröffnung der Hunsrückbahn erhielt der Bahnhof eine Lokstation mit Lokschuppen. Um Platz für den neuen Mittelbahnsteig zu schaffen, wurde der „Säuerling“ Turm am 6. Dezember 1905 abgetragen und ca. 50 Meter weiter nördlich mit geringerer Mauerstärke und mit einem Wasserbehälter versehen wieder aufgebaut. Dort diente er als Wasserturm für die Dampflokomotiven. 1937 begannen umfangreiche Umbauarbeiten am Empfangsgebäude. Dabei wurde der Wartesaal der 3. Klasse für Büro- und Diensträume umgestaltet. Der Fahrdienstleiter erhielt einen Dienstraum in einem Anbau am Hausbahnsteig. Dafür musste die Überdachung verkürzt werden. Es entstand eine neue Schalterhalle. Für die lang ersehnte Bahnhofsgaststätte baute man einen einstöckigen, halbrunden Anbau mit großen, bis zum Boden reichenden Fenstern. Die feierliche Wiedereröffnung fand am Pfingstsamstag 1938 statt. Am 29. Mai 1958 begann die Verlegung der elektrischen Oberleitung auf der „linken Rheinstrecke“. Im August 1977 eröffnete die Deutsche Bundesbahn (DB) ein neues Zentralstellwerk, dass drei alte Stellwerke ersetzte. Der alte Lokschuppen wurde abgerissen und auf dem Gelände eine Bahnmeisterei gebaut. Am 29. Mai 1983 wurde der Personenverkehr auf der „Hundsrückbahn“ zwischen Simmern und Emmelshausen eingestellt. Aufgrund der Verlegung der Bundesstraße in Jahr 1989 wurde trotz Denkmalschutz das Empfangsgebäude von 1859 am 3. August 1987 abgerissen.

Das zweite Empfangsgebäude

Das neuzeitliche Gebäude mit geschwungenen Flächen und mit großen Glasflächen versehen im Stil eines Gartencenters, entstand unterhalb des „Säuerling“ Turms. Es wurde zusammen mit einem neu gestalteten Vorplatz 1988/89 eröffnet.

Weitere Streckeneröffnungen, Ausbauten oder Änderungen

1996 wurde der Güterverkehr auf der Hundsrückbahn eingestellt. Daraufhin baute die Deutsche Bahn AG (DBAG) die Gleisanlagen der Güterabfertigung zurück. Am 10. Juni 2001 benannte die DBAG den Bahnhof in Boppard Hauptbahnhof um. 2007 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Lokstation ein Betriebshof mit Verwaltung und Werkstattkomplex der Rhenus Veniro Bahngesellschaft errichtet, die Teil der französischen Transdev-Gruppe ist.

Was hat sich verändert, was ist geblieben

Der im Laufe der Zeit veränderte Bahnhof wurde „komme da was wolle“ auf den heutigen Stand der Technik gebracht und ein denkmalgeschütztes Gebäude geopfert. Diese Art der Modernisierung hat auch seine Tücken. Wenn zehn oder zwanzig Jahre vergangen sind, wird das Empfangsgebäude als unpassend empfunden werden.
Die Eisenbahn “kam” am 15. Dezember 1859 nach Boppard. Also 24 Jahre nach der Eröffnung der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth 1835. Boppard hatte zu diesem Zeitpunkt ca. 7.500 Einwohner (Ende 2012 waren es 15.212 Einwohner).
Bilder Boppard
Bahnhof von 1906
Luftaufnahme
Bahnhof von 1906 Linke Rheinstrecke Köln Hbf Mainz Hbf Hauptbahnhof Boppard Hauptbahnhof Boppard Planung und Konzession